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Slow Food

18.10.2018 08:00 Uhr

Von Bienen bis Saatgut

Wichtige Themen der Slow-Food-Bewegung rund um das Lebensmittelsystem
Die Qualität unseres Essens ist ein zentrales Thema für Slow Food. Foto: Gentsch/dpa
Die Qualität unseres Essens ist ein zentrales Thema für Slow Food. Foto: Gentsch/dpa
Slow Food bringt sich durch den Dialog mit Entscheidungsträgern und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen und Kampagnen in die gesellschaftliche Debatte um unsere Nahrung ein.

Besonders wichtig sind dem Verein Themen wie die Industrialisierung der Landwirtschaft, das Bienen sterben, Lebensmittelverschwendung, artgerechte Tierhaltung, der Zugang zu Land und Saatgut, eine nachhaltige Bewirtschaftung der Böden, und der Kampf gegen Hunger. Hier ein kleiner Überblick über einige der Themen:

- Bienen: Bienen und andere Bestäuber sind unverzichtbar für die Erzeugung unserer Nahrungsmittel: Sie bestäuben die meisten Wild- und Kulturpflanzen. Die Honigbiene produziert zusätzlich Honig und Bienenwachs. Es ist deshalb äußerst besorgniserregend, dass der Bestand an Wild- und Zuchtbienen konstant sinkt. Slow Food hat es sich zur Aufgabe gemacht über den dramatischen Kollaps der Bienenvölker und deren Gründe zu informieren und fordert dazu auf, den Gebrauch der Pestizide zu untersagen.

- Boden: Der Boden ist als Grundlage der Landwirtschaft wichtig, denn weit über 90 Prozent aller Nahrungsmittel entstehen im, auf oder durch den Boden. Böden sorgen nicht nur für unsere Ernährung, sie spielen auch eine entscheidende Rolle für das globale Klima. Daher muss die Fruchtbarkeit dieser kostbaren Ressource geschützt werden und der Zugang zu Land für Landwirte und nicht für Spekulanten, gewährleistet sein. Das Slow-Food-Schulprojekt „Boden BeGreifen“ thematisiert im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung die Nutzung der endlichen Ressource Boden im Kontext einer wachsenden Weltbevölkerung.

- Fischerei: Kleinfischer sind ein bedeutender Bestandteil fragiler Ökosysteme, die genauso geschützt werden müssen wie die Artenvielfalt an Meereslebewesen und Süßwasserfischen. Slow Food setzt sich für den Erhalt und die Förderung der handwerklichen Fischerei und vergessener Fischarten ein und regt dazu an, die aktuelle Verwaltung der Meeresressourcen zu überdenken, um illegale Fischerei und Überfischung einzudämmen.

- Lebensmittelqualität: Die Qualität unseres Essens ist ein zentrales Thema für Slow Food. Bei jeder Mahlzeit treffen wir Entscheidungen mit Konsequenzen. Unser Essen ist untrennbar verknüpft mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Wissen, Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt. Daher müssen un- Wichtige Themen der Slow-Food-Bewegung rund um das Lebensmittelsystem sere Lebensmittel gut, sauber und fair sein. Ein Lebensmittel im Slow-Food-Sinne muss in traditionell handwerklicher Art sowie umwelt- und ressourcenschonend hergestellt sein, frei von gentechnisch veränderten Rohstoffen, Aromastoffen und bis auf wenige Ausnahmen frei von Zusatzstoffen.

- Lebensmittelverschwendung: Die Verschwendung von Lebensmittelnsteht ganz im Gegensatz zu den Slow-Food-Werten. Daher engagiert sich der Verein schon seit mehreren Jahren, um gegen dieses Problem vorzugehen: Er organisiert Bildungsveranstaltungen mit Kindern und Erwachsenen, verteilt Informationsmaterial und arbeitet mit Lebensmittelerzeugern zusammen, um knubbeliges oder verwachsenes Obst und Gemüse, das nicht den Marktnormen entspricht und deshalb keinen Absatzmarkt findet, zum Beispiel während einer Schnippeldiskoweiter zu verwerten.  

- Milchvielfalt: Die Bewahrung der biologischen Vielfalt ist eines der Hauptziele von Slow Food. Wie auch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten setzt sich Slow Food deshalb in Deutschland wie international für die Erhaltung der Vielfalt der Milch und die damit verbundenen wichtigen Themen Rohmilch und Rohmilchkäse ein, die sowohl bei Slow Food International als auch in Deutschland immer weiter in den Fokus rückt.

- Tiere in der Landwirtschaft: Nach Daten der Welternährungsorganisation FAO sind Tiere für gut eine Milliarde Menschen die wichtigste Quelle für Einkommen, Essen, kulturelle Identität und sozialen Status. Slow Food setzt sich seit vielen Jahren für einen ganzheitlichen Ansatz von Essen und Landwirtschaft ein, und gute Praktiken zur artgerechten Tierhaltung sind ein wesentlicher Bestandteil davon. Sie sind nicht nur wichtig, weil sie Tiere als fühlende Wesen anerkennen, sondern auch, weil sie Vorteile für Landwirte, Verbraucher und Umwelt bringen. „Ganz oder gar nicht“ lautet für Slow Food deshalb das Motto beim Thema Fleisch. Wenn wir tierische Nahrungsmittel essen, dann müssen die Tiere mit Respekt gehalten, geschlachtet und gegessen werden.

- Saatgut: Saatgut ist Kulturgut und Vielfalt. Für den Erhalt dieser wertvollen Vielfalt setzt sich Slow Food ein und fordert eine Saatgut-Gesetzgebung, die den Freiraum für die Produktion von hochwertigem Saatgut traditioneller Sorten, dessen Vermehrung und freien Austausch zwischen Erzeugern garantiert. Es sollte vor allem strikt untersagt werden, Patente auf Saatgut zu erlangen. Außerdem sollte GVO-Saatgut transparent gekennzeichnet sein. DK

548 Lokale aus zwölf Regionen

Der neue Slow Food-Genussführer 2019/20 ist jetzt erhältlich

Von Bienen bis Saatgut Image 2
Die vierte Ausgabe des Slow Food-Genussführers ist fertiggestellt – sie liegt seit 1. Oktober in den Regalen der Buchhändler. Mit der neuen Ausgabe 2019/20 hat Slow Food noch einmal die Schlagzahl erhöht. Der Restaurantführer ist jetzt 752 Seiten dick. 548 Lokale werden besprochen, darunter 125 neu aufgenommene Adressen. Erstmals erscheint der Gastroguide im Vierfarbdruck.

Dazu kommen einige Neuerungen: So präsentiert Slow Food in einem eigenen Kapitel zwölf deutsche Regionen mit ihrer kulinarischen Geschichte und ihren Spezialitäten. Slow Food ist dabei seinem Grundkonzept aber treu geblieben. Nicht die Sternelokale und die teure Spitzengastronomie stehen im Fokus, sondern einfachere Gasthäuser und Restaurants – vom gemütlichen Dorfwirtshaus bis zum kleinen Fischlokal, von der Weinstube nebenan bis zum Ausflugslokal mit schöner Aussicht.

Auch die vierte Ausgabe des kulinarischen Kompasses ist ein Gemeinschaftswerk von 69 Testgruppen und mehr als 500 Restauranttestern. Gemeinsam ist allen 548 vorgestellten Lokalen die Verankerung in der Region. Denn dort wachsen die Zutaten. So transportiert auch die neue Ausgabe wieder ein Stück kulinarische Heimatkunde. Mit besten Produkten aus dem Umfeld lässt sich allerdings mehr auf den Teller zaubern als Schnitzel und Schweinebraten. Da darf es auch mal ein Sashimi von der Schwarzwaldforelle sein. „Es ist spannend, über den Tellerrand der rein traditionellen Regionalküche hinauszublicken“, sagt Wieland Schnürch, Leiter des Herausgeberteams von Slow Food, „und deshalb wollen wir uns den neuen Entwicklungen in der Gastronomie nicht verschließen“. Dazu gehört, dass Ausflüge in die internationale Küche das regionale Angebot durchaus bereichern können.

Zum Slow-Food-Prinzip „gut, sauber, fair“ zählt weiterhin der Verzicht auf Geschmacksverstärker und Convenience. Die Küche muss saisonal, frisch und nachhaltig sein, gut schmecken und zu vernünftigen Preisen erhältlich sein. Außerdem sollen Ambiente und Service einladen.

Der Genussführer zählt von der ersten Ausgabe an zu den erfolgreichsten Büchern des oekom verlags. Nach den Verkaufszahlen ist er zur Nummer zwei unter den deutschen Restaurantführern aufgestiegen. „Darauf sind wir mächtig stolz“, sagt oekom-Cheflektor Christoph Hirsch. DK

Metzgerei Joseph Huber
Fuchbräu
Landgasthof Waggner
Ringhotel Die Gams
Beckerwirt