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Start in das Berufsleben II

21.09.2018 15:00 Uhr

Vorbereitung auf den Beruf

Umfrage: Berufsorientierung an weiterführenden Schulen führt oft an die Uni–Ausbildung kommt nur am Rande zur Sprache
Die Berufs- und Studienberatung an Schulen soll noch mehr gefördert werden. Foto: Getty Images
Die Berufs- und Studienberatung an Schulen soll noch mehr gefördert werden. Foto: Getty Images
Weiterführende Schulen informieren Schüler bei der Studien- und Berufsorientierung laut einer Umfrage überwiegend über Studienangebote. Dass der Weg ins Berufsleben auch über eine Ausbildung führen kann, kommt dabei oft nur am Rande zur Sprache. Das geht aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Demnach gibt bei Gymnasien fast die Hälfte der Eltern an, dass entsprechende Orientierungsangebote eindeutig oder eher über Studienmöglichkeiten informierten. Bei anderen weiterführenden Schulen sind es 28 Prozent. Eher oder eindeutig um Ausbildungen geht es laut knapp 10 Prozent der Eltern von Gymnasiasten und 24 Prozent der Eltern mit Kindern auf anderen weiterführenden Schulen. Der Rest ist unentschieden.

Erschreckend ist laut DIHK, dass rund ein Fünftel der Eltern wahrnehmen, dass ihren Kindern keinerlei Angebote zur Berufs- und Studienorientierung in der Schule gemacht werden.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte: „Wir müssen alle gemeinsam mehr dafür tun, dass mögliche Azubis und Studierende schon im frühen Schulalter genauso viel über die duale Ausbildung informiert werden.“ Auch viele Eltern wüssten nicht, dass der Weg über eine Ausbildung und eine anschließende höhere Berufsbildung oftmals ebenso gute Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten biete.

Der Schrauben-Unternehmer Reinhold Würth riet jungen Menschen ausdrücklich eher zu einer Karriere im Handwerkstatt eines Studiums. Kluge Handwerker könnten mehr verdienen als Mediziner, sagte der Milliardär der „Bild am Sonntag“. „Von einer Million Handwerksbetrieben brauchen 300 000 einen Nachfolger. Ein junger Mensch, der Spaß an Erfolgen und Siegen hat, kann heute recht leicht einen Betrieb übernehmen.Dagegen ist ein Mediziner oft 30 Jahre alt, bis er Assistenzarzt mit relativ bescheidenem Gehalt ist.“

Schweitzer meinte, für mehr junge Menschen müsse gelten: „Raus aus dem Klassenzimmer, rein in den Betrieb und die Praxis erleben.“ Konkrete Erfahrungen könnten die Berufswahl erleichtern – dann würden weniger junge Menschen ein Studium aufnehmen, das sie dann später frustriert abbrechen.

Sowohl Eltern von Gymnasiasten (56 Prozent) als auch von Kindern auf anderen weiterführenden Schulen (62 Prozent) sehen in Betriebspraktika und Unternehmensbesuchen die mit Abstand größte Hilfe bei der beruflichen Orientierung. Auf Platz zwei und drei folgen das Schulfach Berufsorientierung sowie Ausbildungs- und Jobmessen.

Noch entscheiden sich Abiturienten vor allem für ein Studium. Was für Vorteile eine Ausbildung hat, will die Bundesagentur für Arbeit (BA) künftig stärker an Gymnasien vermitteln – und damit kräftig für eine Lehre werben.

„Wir wollen in den Oberstufen der Gymnasien verstärkt beraten“, sagte BA-Chef Detlef Scheele der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei nicht, Jugendlichen das Studieren auszureden, sondern ihren Blick auf das Berufswahlspektrum zu verbreitern. „Man muss zeigen, dass die duale Ausbildung keine Sackgasse ist.“

Die Abbruchquoten an den Universitäten seien beträchtlich, gerade bei den Bachelor-Studiengängen, so Scheele. „Da ist es bei dem ein oder der anderen sicherlich vernünftig, auch in Richtung duales Studium oder duale Ausbildung zu beraten.“

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem vergangenen Jahr bricht fast jeder dritte Bachelor-Student sein Studium ab. Auch um die Studienabbrecher wolle sich die BA verstärkt kümmern. „Wir wollen an der Schnittstelle von der Schule in den Beruf möglichst noch weniger junge Menschen ,verlieren‘, als das bisher der Fall ist.“ Die deutsche Wirtschaft pocht darauf, an allen allgemeinbildenden Schulen eine verpflichtende Berufsorientierung nach bundesweiten Standards einzuführen.

Scheele betonte: „Ich würde jetzt nicht pauschal sagen, dass der Fachkräftemangel mit einer erhöhten Studierneigung zusammenhängt.“ Dennoch müsse man gemeinsam mit Eltern und Lehrern so beraten, dass die Berufswahl ausgewogener ausfalle in den Gymnasien. „Das machen wir jetzt.“ Die BA sei zwar schon an den Gymnasien tätig – „aber nicht in dem Umfang wie in der Sekundarstufe I“, sagte Scheele.

Für das kommende Jahr könne man sich vorstellen, die Berufsorientierung der Klassen acht bis zehn in den Oberstufen fortzusetzen. „Und dass möglicherweise auch mal Jugendliche, die nicht studiert, sondern eine Ausbildung gemacht haben, selbst berichten ,welche gute berufliche Perspektive sie haben“, sagte Scheele und zählte die Möglichkeiten auf: „Man kann damit studieren, man kann noch eine Ausbildung machen, man kann seinen Meister machen, einen Betrieb übernehmen, einen Techniker aufsetzen, die Möglichkeiten sind vielfältig.“ Das alles müsse man Jugendlichen und Eltern noch stärker bewusst machen. dpa

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