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Gaststätten & Straßencafés

27.06.2018 12:00 Uhr

Sehen und gesehen werden

Straßencafés vermitteln ein eigenes Lebensgefühl – Genuss im Biergarten
Idylle an der Altmühl in Eichstätt: Eine ideale Kulisse für ein Straßencafé oder einen Biergarten. In der Region finden sich zahlreiche Möglichkeiten, Natur und Kulinarik zu genießen. Foto: Bartenschlager
Idylle an der Altmühl in Eichstätt: Eine ideale Kulisse für ein Straßencafé oder einen Biergarten. In der Region finden sich zahlreiche Möglichkeiten, Natur und Kulinarik zu genießen. Foto: Bartenschlager
Eichstätt (baj) Straßencafés sind nicht einfach Verkaufsstellen von Cappuccino, Hugo oder – heute ganz trendy – Gin Basil Smash. Sie vermitteln vielmehr ein Lebensgefühl. Ein Straßencafé ist ein Ort des Sehens und Gesehenwerdens, der Konversation und des stillen Genießens. Ein Ort, der Zeit braucht. Hier einfach den Espresso in einem Schluck in die Kehle zu gießen, ist fast so etwas wie ein Sakrileg.

Große Künstler haben diese Stätte menschlicher Kommunikation verewigt, etwa Vincent van Gogh in dem Bild „Straßencafé auf der Place du Form in Arles, am Abend“. Van Gogh besuchte die Stadt an der Rhone 1888 mit der Absicht den Nachthimmel zu malen, der ihn in seinen Bann gezogen hatte. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen, und doch richtet sich der Blick des Betrachters zunächst auf das Straßencafé, das vom Licht einer Gaslampe förmlich durchflutet wird. Dieser helle Schein steht im Kontrast zu den dunklen Tönen des Nachthimmels. Viele der runden Tische sind noch leer, doch werden sie sich bald füllen. Leute schlendern herbei, die bald Platz im warm und goldgelb gezeichneten Café nehmen werden. Die Serveuse bringt die ersten Bestellungen, vielleicht einen Pastis oder einen Rosé-Wein, und das abendliche Theatervorstellung mit den Gästen als Publikum und als Schauspieler gleichzeitig kann beginnen.

Auch als Kulisse für spannende Kriminalromane taugt die Szenerie. Die Autorin Mara Ferr hat in „Die Herzen des Monsieur Lefort“ als Protagonistin Elaine Sabatier geschaffen, ihres Zeichens Serveuse im Straßencafé am Montmartre.

Und dann ist da natürlich noch die Dichtkunst. „So ein Straßencafé hat etwas, Man ist mittendrin im Leben, Stimmen, Lachen alles en masse, Gespräche, die einen umgeben“, heißt es in einem Gedicht von Germaine Adelt, das mit der Strophe endet: „Früher las ich hier oft ein Buch, Aber dies ist geradezu ein Vergehen, Und so blieb es bei dem Versuch, Denn hier kann man das Leben sehen.“

Straßencafés werden gern mit südlichen Gefilden verbunden. Das ist kein Wunder, denn das erste dieser Art entstand in Venedig, unter den Arkaden des Markusplatzes. Venezianische Kaufleute hatten derartige Einrichtungen in Konstantinopel und in Alexandria kennen- und schätzen gelernt. In Europa folgte ein richtiger Caféhaus-Boom.

Aber im regnerischen London oder im oft kühlen Berlin konzentrierte sich das Geschehen zwischen vier Wände. Aber bei dem bisherigen Wetter mit viel Sonnenschein bereits im Frühjahr ist das Leben in den Straßencafés längst auch hierzulande erwacht. In Bayern gibt’s zum mondänen Straßencafé eine etwas rustikalere Ergänzung: den Biergarten, in dem sich dann die bayerische Lebensart trefflich genießen lässt.

Und was das südliche Flair betrifft: Hier haben das Altmühltal und gerade Eichstätt viel zu bieten. Zumindest die Altstadt kommt italienischer Atmosphäre sehr nahe. Sich nahe am Fluss gemütlich niederlassen, die träge Strömung beobachten und seinen Gedanken freien Lauf lassen – das hat schon was. Andere schätzen einen idyllischen Ausflugsort mitten im Wald, einen zünftigen Biergarten oder einfach einen Ort mit Charakter. Die Auswahl ist groß und für jeden etwas dabei.

Überall lohnt es sich, die Speise- und Getränkekarten zu studieren, denn jeder setzt andere Akzente. Zeit allerdings sollte man auf jeden Fall mitbringen. Es lohnt sich.

Baumann
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