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Ausbildung & Beruf

11.02.2019 15:00 Uhr

Knigge für Azubis

Wie man als Neuling die Schonfrist der ersten 100 Tage im Unternehmen am besten meistert
Auf ein gutes Miteinander kommt es an: Auszubildende, die sich wirklich für ihren Beruf interessieren und aus den Erfahrungen ihrer Kollegen schöpfen, werden einen guten Start haben. Foto: Getty Image
Auf ein gutes Miteinander kommt es an: Auszubildende, die sich wirklich für ihren Beruf interessieren und aus den Erfahrungen ihrer Kollegen schöpfen, werden einen guten Start haben. Foto: Getty Image
Mit dem Beginn der Ausbildung ist der allererste Tag im Betrieb zwar ganz besonders aufregend. Doch auch die nächsten 100 Tage sind wichtig. Schließlich gilt es, sich möglichst schnell zu bewähren. Ein paar Tipps,wie man Punkte sammelt und was man besser vermeidet.

Dass man als Auszubildender wirklich nur diese berühmten 100 Tage Zeit hat, um sich zu bewähren, gilt bei vielen Ausbildern inzwischen als überholt oder überzogen. Denn auch danach haben die Neulinge im Betrieb noch eine Art Schonfrist, ihre ganz persönlichen Stärken unter Beweis zu stellen. Fest steht aber auch: Die ersten drei Monate in der Ausbildung stellen bereits erheblich die Weichen für eine erfolgreiche Ausbildung und mögliche Zukunft im Unternehmen.

Deshalb ist es wichtig, grobe Fehler im Umgang mit Ausbildern und Kollegen zu vermeiden und in der Anfangs-Lernphase möglichst immer hellwach zu sein. Schließlich ist man am Ausbildungsbeginn noch in der Probezeit. Sie ist auch für eine Ausbildung gesetzlich geregelt. Laut Berufsbildungsgesetz muss die Probezeit mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen (§ 20 Berufsbildungsgesetz). Üblich ist eine Dauer von vier Monaten. Die Probezeit in der Ausbildung hat eine wichtige Bedeutung – Azubi und Ausbilder sollen prüfen, ob sich der Azubi für den richtigen Beruf und Betrieb entschieden hat. Die neun wichtigsten Tipps für Ausbildungs-Neulinge:

• Möglichst schnell integrieren: So könnte der Auftrag lauten, den sich ein Azubi selbst erteilt. Dafür braucht es Insider-Kenntnisse. Und die sind am besten von Kollegen zu bekommen. Also Augen und Ohren auf, gut beobachten und zuhören. Welche Pausengewohnheiten beispielsweise in der Firma gelten, muss man auf diesem Weg nicht erst erfragen. Für vieles andere hilft nur das Gespräch mit Kollegen. Und eine Kaffeepause beispielsweise ist ideal, um den Kollegen immer mal ein paar Fragen zu stellen. Unbedingt das „Sie“ als Anrede wählen. Ein „Du“ muss als Angebot vom älteren Mitarbeiter kommen. Und auch, wenn die Ausbildung in einem Großbetrieb absolviert wird, besser persönlich bei den Kollegen vorstellen, als eine Sammel-E-Mail verschicken.

• Lernen, lernen und nochmals lernen: Nicht umsonst heißt die Ausbildung ja auch Lehre. Deshalb sollten Azubis unbedingt und von sich aus aktiv alle Lernmöglichkeiten nutzen, die sich bieten.Wenn es Einführungsveranstaltungen gibt, müssen sie unbedingt daran teilnehmen. Aufmerksamkeit spielt eine große Rolle, dabei helfen Notizen in einem kleinen Heft und die Wiederholung der neu erarbeiteten Themen. Wer nicht fragt, bleibt zwar nicht automatisch dumm, doch ausbleibende Fragen können schnell als Desinteresse interpretiert werden. Also sollten Azubis ruhig bei den sich bietenden Möglichkeiten Fragen stellen – aus eigenem Interesse und um sicherzugehen vor zu vielen Fragen. Lieber einmal mehr fragen, als Fehler zu begehen.

• Immer 100 Prozent: Es lohnt sich, immer sein Bestes zugeben, ganz gleich, um welche Arbeit es sich handelt. Azubis sollten Arbeiten immer auch gewissenhaft zu Ende bringen, denn so erlangen sie schnell Vertrauen und einen guten Ruf bei Ausbildern und Kollegen.

• Auf die Anderen schauen: Offene und unverkrampfte Beziehungen zu anderen Kollegen sind wesentliche Voraussetzungen dafür, um gut und effektiv zusammenzuarbeiten und viel zu lernen. Azubis sollten sich daher ehrlich für die Arbeit der Kollegen interessieren, sie nach ihren Aufgaben fragen und herausfinden, wie diese Tätigkeiten zur eigenen Ausbildung stehen. Das ermöglicht es, Zusammenhänge im Betrieb besser zu erkennen und von dem Können anderer zu profitieren.

• Hilfsbereit statt Ich-bezogen: Hilfsbereitschaft ist das A und O eines guten Teams. Natürlich sollte ein Azubi erst einmal seine eigenen Aufgaben gut erledigen. Doch gerade in der Anlern-Phase gibt es oftmals Situationen, in denen man seine Hilfe anbieten kann.

• Früh um Feedbacks bitten: Wer wirklich möglichst schnell möglichst fit in seinem Beruf werden möchte, sollte den Chef, Ausbilder und die Kollegen um Feedbacks zu seinen Leistungen bitten. Das zeigt nämlich, dass man sich für den Eindruck interessierst, den andere von einem haben.

• Nobody is perfect: Auch,wenn man sich noch so sehr darum bemüht: Fehler lassen sich gerade in der Einstiegsphase einfach nicht vermeiden. Auf keinen Fall beleidigt darauf reagieren, wenn man auf Fehler aufmerksam gemacht wird. Fehler sind schließlich dafür da, dass man daraus lernt. Und sie lassen sich korrigieren. Hat man einen Fehler gemacht, den andere ausbaden müssen, sollte man sich unbedingt bei ihnen entschuldigen.

• Last but not least: Man sollte jeden Tag aufs Neue pünktlich und freundlich sein. D

Kumpelhaft oder streng?

Vertrauensvoller Kumpel oder strenge Respektsperson? Ausbilder sollten für einen überzeugenden Auftritt vor allem darauf achten, sich nicht zu verbiegen, rät Kommunikationsexpertin Bettina Stark in der Zeitschrift „Position“ (Ausgabe 01/2019) des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Ob jemand für den Azubi eher Freund oder eher Respektsperson sein will, komme auf die jeweilige Persönlichkeit an. Auch Kumpeltypen könnten Respekt ausstrahlen, und distanziertere Ausbilder auf der anderen Seite sehr vertrauensvoll wirken. Wer Auszubildende betreut, sollte sich Stark zufolge über die eigene Rolle klar werden, die er einnehmen will, und diese regelmäßig reflektieren. Dazu sollte er sich immer mal wieder von außen betrachten und überlegen, wer er ist, welche Kompetenzen er hat, und wie er nach außen wirkt. Auch externe Coaches, Weiterbildungen oder der eigene Chef können helfen, die Übereinstimmung von Eigen- und Fremdbild zu überprüfen. dpa
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