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Ingolstadt erleben

02.08.2019 12:00 Uhr

Wo der König Staub schlucken musste

Der „Schwedenschimmel“ ist ein Begriff in Ingolstadt: Die dazu gehörenden dramatischen Ereignisse greift ein mehrteiliges Kunstwerk auf. Die Eichstätter Künstlerin Ariana Keßler es es geschaffen und nimmt damit auch Bezug zum einstigen Hinrichtungsplatz.
Ein symbolreiches Kunstwerk erinnert an Gustav Adolphs Sturz vor Ingolstadts Mauern. Foto: Bartenschlager
Ein symbolreiches Kunstwerk erinnert an Gustav Adolphs Sturz vor Ingolstadts Mauern. Foto: Bartenschlager
Es ist ein Ort der zerbrochenen Träume, ein Ort der endgültigen Niederlagen, ein Ort des Todes. An der Stelle, an der in Ingolstadt die Münchener Straße und die Windberger Straße aufeinandertreffen, befand sich von 1584 bis 1808 die Hinrichtungsstätte der Stadt Ingolstadt. In unmittelbarer Nähe dieses schaurigen Ortes verlor am 30. April 1632 der schwedische König Gustav II. Adolph unter dramatischen Umständen seinen Schimmel. Ein Geschoss traf bei einem Spähritt das Ross des Herrschers und Feldherren, der mit wenigen Blessuren davonkam, aber in diesem Moment geahnt haben muss, dass seine hochfliegenden hegemonialen Pläne zum Scheitern verurteilt sein würden. 

Seit 2013 greift eine mehrteilige Installation die historische Bedeutung dieser Örtlichkeit auf. Geschaffen wurde sie von der Eichstätter Künstlerin Ariana Keßler. Ein mächtiger, 8,5 Tonnen schwerer und 3,20 Meter langer und ansteigender Block aus heimischem Jura-Marmor steht für den langen Anmarsch des Schwedenkönigs. Er eilt von Erfolg zu Erfolg; sein Weg führt stetig nach oben. Auf dem Jura-Marmor liegt eine Platte aus Halmstad-Granit, ein harter Stein, der aus Schweden stammt. Er verkörpert mit seiner schön gemusterten, glatt polierten Oberfläche das königliche Element. In ihm sind die Abdrücke von Hufeisen eingearbeitet – das genaue Abbild eines angaloppierenden Pferdes.

Eine aufragende Säule wie ein Ausrufezeichen markiert einen Höhepunkt und ist gleichzeitig als Galgenbaum zu verstehen – unübersehbares Symbol für den Richtplatz. Ariana Keßler hat in den Stein, den hier ums Leben gekommenen Menschen zum Gedächtnis, Zählkeile eingeschlagen. Ihre Unregelmäßigkeit verdeutlicht die Individualität der Hingerichteten. Alle Oberflächen hat die Künstlerin ausschließlich per Hand, mit Hammer und Meißel, bearbeitet und gestaltet. Auf der Säule ruht eine Kugel, die als todbringendes Geschoss, aber auch als Erdball und sogar als Spielzeug zu verstehen ist.

Ein kurzer abfallender Stein mit einer Krone zeigt den jähen Sturz des Herrschers. Auch die Krone wurde aus einem aus Gustav Adolphs Heimat stammenden Material gefertigt: Schwedisch-Schwarz. Wie Halmstad ist auch dieses Material in Deutschland bekannt: als Grabstein. Für den König kann der Vorfall bei Ingolstadt als Menetekel gelten: Er kam ein halbes Jahr später in der Schlacht von Lützen ums Leben. baj
  

WISSENSWERTES AUS DEM SÜDEN DER STADT
  

Quellstein

Zum Ensemble am „Schwedenschimmelplatz“ gehört auch ein Quellstein. Die Künstlerin Ariana Keßler hat das Gerinne dem einstigen Verlauf der Donau an dieser Stelle nachempfunden. Nach unten verjüngt sich der Stein, was ihm Leichtigkeit verleiht.

Bequeme Ruhebank

Eine Bank lädt zum Verweilen ein. Sie ist höher und breiter als üblich, um ein Maximum an Bequemlichkeiten zu bieten.

Viele kleine Hufabdrücke

Außer auf der edlen Halmstad-Platte mit den Abdrücken des königlichen Rosses sind weitere, kleinere Hufspuren auf dem Jura-Block zu finden. Sie versinnbildlichen das Gefolge des Königs.

Abgerundete Ecken

Abgerundete Ecken sind ein Markenzeichen von Ariana Keßler, abgeschaut von der Natur. Ein weiterer Grund: Niemand soll sich an den Ecken stoßen oder gar verletzen. Die Künstlerin möchte, dass ihre Werke auch mit den Händen erfahren werden – und auch Rollstuhlfahrer sollen den Platz erleben können.

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