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Ingolstadt erleben

08.08.2019 09:00 Uhr

Die Siedlung der Eisenbahner

Ringsee verdankt seine Existenz dem Bau eines ausgedehnten Schienennetzes und der „Hauptwerkstätte der Königlich Bayerischen Staatsbahn“. Dabei entstand eine homogene Gesellschaft, die sich durch Selbstbewusstsein und soziales Engagement auszeichnete.
Der idyllisch gelegene Auwaldsee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Eingebettet ist das Gewässer zwischen der Autobahn und dem Gewerbegebiet an der Manchinger Straße.
Der idyllisch gelegene Auwaldsee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Eingebettet ist das Gewässer zwischen der Autobahn und dem Gewerbegebiet an der Manchinger Straße.
Der Turm der Kirche St. Canisius in Ringsee ragt 28 Meter in die Höhe. Die Kirche wurde 1937 durch den Eichstätter Bischof Michael Rackl konsekriert. Der erste Spatenstich war 1936 erfolgt.                                 Fotos: Bartenschlager
Der Turm der Kirche St. Canisius in Ringsee ragt 28 Meter in die Höhe. Die Kirche wurde 1937 durch den Eichstätter Bischof Michael Rackl konsekriert. Der erste Spatenstich war 1936 erfolgt.                                 Fotos: Bartenschlager
Der Osten Ingolstadt präsentiert sich vielschichtig: ein weitläufiges Gewerbegebiet, mehrere Sportstätten, Wohngebiete mit zum Teil noch ländlichem Charakter und Freizeitmöglichkeiten, zu denen auch ein See in unmittelbarer Nähe zur Autobahn gehört. Im diesem Konglomerat spielt Ringsee eine besondere Rolle. Zwar ist der Flurname „zum Rincktsee“ mehrere hundert Jahre alt. Doch so richtig besiedelt wurde dieser Stadtteil erst im Zuge des Eisenbahnbaus. Die Arbeiten für die Linie nach München begannen 1866. Es folgten die Strecken nach Regensburg und Donauwörth ab 1872 und die nach Augsburg ab 1873. Die Baustellen wimmelten von Arbeitern, die Hunger und Durst hatten. Der findige Hetzerbräu nutzte die Gelegenheit und stellte eine Verkaufsbude auf. Diese Kantine war das erste Gebäude auf der Flur. Bald gesellte sich eine zweite Behausung dazu. Der Schuhmacher Thomas Hübner zog sein Haus hoch; sein Grundstück befand sich weit im Feld draußen und so lag der Hausname gleich auf der Hand: „der Feldschuster“.

Das Fußballgelände des ESV liegt passenderweise direkt am Schienenweg. Ringsee verdankt seine Existenz der Eisenbahn; eine historische Lok steht am Hauptbahnhof.                                  Fotos: Bartenschlager
Das Fußballgelände des ESV liegt passenderweise direkt am Schienenweg. Ringsee verdankt seine Existenz der Eisenbahn; eine historische Lok steht am Hauptbahnhof.                                  Fotos: Bartenschlager
Zur Eisenbahn gehört ein ordentlicher Bahnhof, aber erst musste das sumpfige Areal des Ringsees trockengelegt und mit Kies und Erde aufgefüllt werden – noch mehr Arbeiter wurden benötigt. Erneut erwiesen sich Gastwirte als Pioniere: Zwei Wirtshäuser entstanden. Danach ging es Schlag auf Schlag und mehrere Wohnhäuser wuchsen in die Höhe. Eisenbahnbedienstete oder jedenfalls Leute, die etwas mit der Bahn zu tun hatten, zogen ein und bildeten eine homogene Gesellschaft. Noch fehlte ein offizieller Name. Man behalf sich vorerst mit der wenig originellen Bezeichnung „Zentralbahnhof Ingolstadt links“. Bald erinnerte man sich an den ursprünglichen Flurnamen und Prinzregent Luitpold verlieh der Ortschaft den Namen Ringsee.
           
Die Siedlung der Eisenbahner Image 1
Der Ort wuchs weiter und zählt 1905 bereits 1025 Einwohner. Zwischen 1910 und 1914 entstand die „Hauptwerkstätte der Königlich Bayerischen Staatsbahn“; erneut wurden Arbeitskräfte gebraucht, die untergebracht werden wollten. Das Gelände, nach wie vor sumpfig und von Mulden und Rinnen durchzogen, wurde eben gemacht. Das Material kam aus einer Kiesgrube in direkter Nähe. So entstand der „Konkordiaweiher“, ein kleines Eldorado für Schwimmer und Eisläufer. Nach und nach verlandete der Weiher und wurde 1962 verfüllt. Ein Straßenname erinnert an seine Existenz. Ringsee aber gilt nach wie vor als „Eisenbahner-Siedlung“. Josef Bartenschlager.
           

WISSENSWERTES AUS DEM SÜDEN DER STADT
  

Lokalzeitung

Ringsee hatte sogar eine eigene Zeitung. Das Ringseer Wochenblatt erschien zwischen 1926 und 1936. Es wurde kostenlos verteilt, berichtete umfassend über das örtliche Geschehen und diente ortsansässigen Geschäftsleuten und Wirten als Werbeplattform.

Geißbockrennen

In Ringsee schlossen sich die Besitzer von Geißböcken zu einem eigenen Verein zusammen und veranstalteten einmal im Jahr ein Rennen, bei dem die Böcke vor Sulkys gespannt wurden.

Freie Turnerschaft Ringsee

Bereits 1920 wurde der Sportverein Freie Turnerschaft Ringsee gegründet. Heute umfasst das sportliche Angebot Fußball, Tennis, Gymnastik, Kegeln, Taijutsu, Tanzen, Theater, Ski-Wander-Laufen sowie Football.

Eigene Alpenvereins-Sektion

Das Selbstbewusstsein der Ringseer kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie eine eigene Alpenvereins-Sektion bilden, die eine eigene Hütte in der Jachenau betreiben. Eisenbahnersportverein Die Eisenbahner bildeten eine verschworene Gemeinschaft und so war es kein Wunder, dass sie auch einen eigenen Sportverein ins Leben riefen, den Eisenbahnersportverein, kurz ESV. Das ESV-Stadion wurde sogar bei den Olympischen Spielen 1972 genutzt.

FC Ingolstadt 04

2004 verschmolzen die Fußballabteilungen der beiden Lokalrivalen ESV und MTV zum FC Ingolstadt 04. Die 1. Mannschaft, die bereits Bundesliga spielte, ist heute in der dritten Liga zu finden. Das Stadion, der Audi Sportpark, ist ebenfalls im Osten angesiedelt.

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