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Eine Stadt streckt sich gen Norden|Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war der Ingolstädter Norden überwiegend von Ackerland geprägt. Zum Wohngebiet für Tausende Menschen wurde das Viertel mit der Ansiedlung der damaligen Auto Union Ende der 1950er-Jahre.

Eine Stadt streckt sich gen Norden

Freies Feld und Blick bis nach Etting in den Nachkriegsjahren: Für dieses Areal als Standort entschied sich später die Auto Union, heute die Audi AG. Foto: Fegert

Freies Feld und Blick bis nach Etting in den Nachkriegsjahren: Für dieses Areal als Standort entschied sich später die Auto Union, heute die Audi AG. Foto: Fegert

12.08.2020

Die Ettinger Straße – eine der Hauptverkehrsadern im Norden Ingolstadts – eine Schotterpiste? „So war das“, erzählt Hans Fegert. Der versierte Heimatkundler spricht von der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Damals war Ingolstadt an der Hindenburgstraße zu Ende.“ Darüber hinaus, Richtung Etting, habe es keine große Besiedlung gegeben. Und an die Hindenburgstraße habe sich der Exerzierplatz angeschlossen. Mitsamt den Gebäuden der Heeresversorgung. Auch das Vorwerk Max Emanuel stand dort allein auf weiter Flur. „Armeegebäude und Exerzierplatz wurden von den Amerikanernzerstört“, sagt Fegert. „Die Bombenräumkommandos waren später gut beschäftigt, als der Autobauer Auto Union Ende der 50er das Gelände als Standort wählte.“

Und auch das Fort Max Emanuel, im 19. Jahrhundert mächtiger Teil der Befestigungsanlage Ingolstadts, gibt es längst nicht mehr. „Es wurde 1946 als Relikt der Landesfestung gesprengt“, sagt Fegert. In den Ruinen war dennoch ordentlich etwas los: „Bis in die 60er-Jahre tobten sich dort die Moto-Cross-Fahrer aus.“ Heute steht dort die TE (Technische Entwicklung) von Audi.  
   

Viel freien Platz gab es damals auch in Richtung Ringlerstraße. „Dort wo heute die Temic steht,war ab 1945 das Zigarettenwerk Brinkmann Bremen, Zweigwerk Ingolstadt, zu finden“, erzählt Fegert.
   

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Heute prägt das gewaltige Audi-Gelände das Gebiet vor Etting. Foto: Schalles

Ein Glücksfall für Ingolstadt, denn Brinkmann habe ein paar Hundert Frauen Arbeit gegeben. Billig war das Rauchen damals nicht. „Eine Zigarette kostete 20 Reichspfennig“, sagt Fegert. Und: „Brinkmann entwickelte auch die Marke Gloria – die erste Filterzigarette Deutschlands.“ Brinkmann zog später wieder ab und überließ 1950 bis 1957 dem Zigarettenwerk Kristinus aus Speyer das Feld. Fegert nennt noch ein weiteres Gewerbe in dieser Ecke der Stadt: das Coca-Cola-Abfüllwerk Andreas Dorer. „Das ist heute der Platz, an dem das Museum mobile steht.“

So richtig zu Wohnvierteln für Tausende Menschen wurde das Acker- und Weideland im Norden Ingolstadts nach einer ersten kleinen Siedlungswelle mit typischen Nachkriegsblöcken Anfang der 50er-Jahre, etwa mit den VdK-Gebäuden für Kriegsversehrte. Als sich dann Ende der 50er die Auto Union entlang der Ettinger Straße niederließ, blieb das für die Entwicklung des späteren Pius-Viertels nicht ohne Folgen: Der Autobauer brauchte Raum für Werkwohnungen – eine zweite Bebauungswelle folgte. „Der erste Block wurde an der Ecke Ettinger Straße/Hindenburgstraße, auf der Seite der Pius-Kirche hochgezogen“, sagt Heimatkundler Fegert.
  

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Der Nordbahnhof gestern und heute: Erwar 1870 gebautworden. Und zwar aus Holz. „Ingolstadt war Festungsstadt. Da musste im Angriffsfall schnell ein freies Schussfeld geschaffen werden“, erklärt Heimatkundler Hans Fegert. 
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„Im Ernstfall hätte der Nordbahnhof schnell abgerissen werden müssen.“ Tatsächlich wurde ab 2010 ein Neubau hochgezogen. Fotos: Fegert, Hauser

Und der Wohnungsbedarf, besonders wegen der Mitarbeiter von Audi – wie die Auto Union später hieß –wuchs kontinuierlich. Wovon auch Etting profitierte. „Da gab es früher links und rechts nur Felder. Und einen Bahnübergang mit Schranke“, erinnert sich Fegert. „Das war ein richtiges Bauerndorf. Urig.“ 1972 wurde das Dorf eingemeindet. „Heute ist Etting fast eine Kleinstadt.“ DK
  

Grusswort

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Liebe Leserinnen und Leser,

eines steht fest: Im Ingolstädter Norden wird fleißig gearbeitet, bei Audi, im Güterverkehrszentrum und in vielen weiteren kleineren, mittleren und größeren Betrieben.

Hier wird aber nicht nur gearbeitet, hier leben auch viele Menschen. Zwischen den Häusern gibt es tolle Spielplätze und ausgedehnte Grünflächen – allen voran den Nordpark und in Zukunft auch das Gelände der Landesgartenschau, das als dauerhafter Park erhalten bleibt. Einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität hat in den vergangenen Jahren das Projekt Soziale Stadt geleistet. In den Stadtteiltreffs im Konrad- und im Piusviertel kommen die Menschen zusammen, hier hilft man einander, hier ist man kreativ, sportlich und zum Feiern finden sich ebenfalls viele Gelegenheiten.

Ihr
Dr. Christian Scharpf
Oberbürgermeister