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eBikes & Pedelecs

10.04.2019 11:00 Uhr

Eine ganze Branche ist elektrisiert

Innovationen und Trends bei Antriebskomponenten sorgen auch für eine immer stärkere Annäherung von Rädern und Autos
Das E-Bike wird dem Auto zunehmend ähnlicher. CityQ heißt ein Velomobil aus Norwegen. Foto: CityQ
Das E-Bike wird dem Auto zunehmend ähnlicher. CityQ heißt ein Velomobil aus Norwegen. Foto: CityQ
Von Mario Hommen 

Das Fahrrad-Business in Deutschland bleibt weiter auf Wachstumskurs. Treiber sind vor allem die E-Bikes, die sich unvermindert steigender Nachfrage erfreuen. Entsprechend konzentrieren sich hier die derzeit aktuellen Innovationen und Trends.

Wie schon in den Vorjahren werden wir auch 2019 eine weiter wachsende Zahl von Pedelecs mit vollintegrierten Akkus erleben. Alle wichtigen Antriebshersteller, von Bosch über Bafang bis Shimano, haben mittlerweile entsprechende Lösungen im Portfolio, die von mehr und mehr Fahrradherstellern in bekannte oder neue Baureihen oftmals sehenswert integriert werden. Entsprechend steigt auch die Auswahl schicker und hochwertig wirkender Pedelecs.

Bei der Integration von Antriebskomponenten versuchen sich parallel vor allem Start-ups mit avantgardistischen Entwürfen zu profilieren. Wie etwa das Design-Pedelec der neuen deutschen Marke Geos, bei dem ein Stahlrahmen im Zentrum steht, der trotz klassischer Fahrrad-Ästhetik ein leistungsfähiges Batteriepaket integriert. Ein besonders gewagter Entwurf ist das RV01 des französischen Newcomers Stajvelo, das nicht nur mit einer Rahmenintegration von Akku und Motor, sondern außerdem noch mit Einarmführung beider Räder und in Spritzgussverfahren hergestellten Verbundwerkstoffen beeindruckt. Ebenfalls in Frankreich erdacht und zu großen Teilen auch dort produziert wird das Coleen mit einem im ersten Augenblick antiquiert wirkenden Kreuzrahmen, in dem sich ein 529-Wh-Akku versteckt. Das voraussichtlich um 7000 Euro teure Edel-EBike zeichnet sich zudem durch einen spartanischen Stil sowie viele individuelle Bauteile aus Metall und etliche hochwertige Komponenten aus.

Willner Fahrradzentrum GmbH

Zunehmend stärker elektrisiert sind auch Rennradhersteller, die trotz gewisser Widersprüchlichkeit zum Ethos der Szene in wachsender Zahl Modelle mit Motor auf den Markt bringen. Neben dem besonders kompakten und damit fast unsichtbaren Fazua-Antrieb werden mittlerweile auch Bafang oder Bosch montiert.

Die Diskussion über Sinn oder Unsinn einer E-Unterstützung hat sich bei den Mountainbikes längst erübrigt. Hier haben elektrifizierte Modelle, vor allem im gehobenen Preissegment, bereits die Vorherrschaft übernommen, wie sich an der gewaltigen Flut zunehmend raffinierterer und hochwertiger Modelle zeigt. Ob das elektrisch unterstützte Rennrad eine ähnlich steile Karriere bevorsteht oder eher Nischenprodukt sein wird, bleibt abzuwarten. Bei konventionell angetriebenen Rennrädern wird jedenfalls weiter an Innovationen getüftelt.

Neben der Diversifizierung der E-Bike-Typen wächst auch die Zahl der Antriebssysteme, die sich mit zum Teil interessanten Innovationen einen Teil vom wachsenden Kuchen sichern sollen. Ein spannendes Beispiel hierfür bietet Kervelo aus Frankreich mit dem Quartz genannten 48-Volt–Antrieb, der in seinem kompakten Motorgehäuse ein 12-Gang-Planetengetriebe integriert.

Dem Pedelec-Boom kann sich kaum noch ein Fahrradhersteller entziehen. Selbst Marken, die bislang dem E-Bike die kalte Schulter zeigten, hat die große Nachfrage zum Umdenken genötigt. Unter anderem steigt 2019 die Berliner Edelschmiede Schindelhauer, die bislang ausschließlich konventionelle Räder baute, gleich mit einer ganzen E-Bike-Familie mit zum Teil recht unterschiedlichen Typen und Konzepten ein. Auch die Traditionsmarke Rabeneick hat mit der sogenannten e-series drei Modelle – ein Urban-, Sport- und Trekking-Pedelec - gänzlich neu ins Programm genommen. Sogar der Klappradspezialist Brompton will nächstes Jahr sein bereits vor Jahren angekündigtes Versprechen einer E-Variante wahr machen.

Der lukrative Markt weckt zunehmend die Aufmerksamkeit von Autoherstellern. So weitet die Zweiradsparte von Peugeot ihre E-Bike-Offensive mit neuen Trekking-, Renn- und City-Modellen deutlich aus. Sogar die Old-Economy-Ikone General Motors will 2019 ins E-Bike-Business einsteigen. Auch bei Lastenrädern dürften kommendes Jahr die Absatzzahlen weiter steigen. Laut Eurobike wurden 2017 immerhin schon 15 000 dieser meist unhandlichen Nutzfahrzeuge abgesetzt. Auch Lastenrad-Sharing-Anbieter wie etwa Donk-EE aus Köln vermelden steigende Nutzerzahlen. Ohne Motor geht freilich nichts mehr.

Dem Auto nochmals näher als Lastenräder kommen sogenannte Velomobile. Noch ist keines dieser neuen Auto-Fahrrad-Zwitter mit Pedelec-Antrieb im Markt, doch das soll sich zeitnah ändern.

Mittlerweile gibt es übrigens auch den umgekehrten Fall, denn neben Pedelecs, die sich dem Auto annähern, hat sich zumindest ein Auto technisch dem E-Bike angenähert. In diesem Fall hat die holländische Firma BPO einem Audi A4 einen Pedelecantrieb eingepflanzt. Beim dem Fitcar PPV genannten Projekt ersetzt dieser die Pedale für Kupplung, Gas und Bremse. Wer strampelt, übermittelt damit über Sensortechnik den Beschleunigungswunsch. Will man schneller fahren, muss man stärker strampeln. Wie sich das Projekt weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. sp-x

Wie weit komme ich mit einer Akkuladung? Tipps und Tricks aus dem Willner eBike Zentrum

Eine der regelmäßig gestellten Fragen in der E-Bike Beratung dreht sich um die mögliche Reichweite mit einer Akkuladung. Als Faustregel kann gelten, dass man auf ebener Strecke je 100 Wh Akkukapazität etwa 20 km Motorunterstützung auf mittlerer Unterstützungsstufe erhält. Mit einem 500 Wh Akku sind somit ca. 100 km Reichweite möglich. Doch Vorsicht: viele Faktoren sind für die tatsächliche Reichweite verantwortlich, manche können von Ihnen leicht beeinflusst werden.

Fahrstil:
- Beim Anfahren verbraucht ein Elektromotor viel Energie. Fahren Sie daher mit einem kleinen Gang an. Wählen Sie Gänge, in denen Sie aktiv pedalieren können. Ein schaltfauler Fahrstil kostet viel Energie und somit Reichweite. Im Stop-and-Go des Stadtverkehrs sinkt die Reichweite deutlich.

Akkupflege:
Moderne ebike Akkus sind pflegeleicht, folgende Tipps reduzieren die vorzeitige Alterung:
- Laden Sie den Akku nur dann auf 100%, wenn Sie die volle Kapazität auch wirklich brauchen.
- Der „Wohlfühlbereich“ eines Akkus liegt zwischen 20 und 80% Ladestand und 15 bis 25° Celsius Lagertemperatur
- Wurde der Akku „leer“ gefahren, sollte man ihn zeitnah laden

Wartung:
- Achten Sie immer auf den korrekten Reifendruck. Ein zu niedriger Wert erhöht den Rollwiderstand und hat erheblichen Einfluss auf die erzielbare Reichweite. Den korrekten Reifendruck finden Sie auf der Reifenflanke. Sie sind allgemein gut beraten, einen Druck im oberen Drittel des empfohlenen Bereichs anzuwenden.
- Eine schlecht gepflegte Kette bzw. ein verschlissener Antrieb erzeugen einen höheren Widerstand und verkürzen die Reichweite. Reinigen Sie Kette und Ritzel regelmäßig, qualitativ hochwertige Schmierstoffe reduzieren den Verschleiß. Nach 2.500 km Laufleistung sollte die Kette erneuert werden. Eine höhere Laufleistung greift die Ritzel und Kettenblätter an. Einmal im Jahr sollte das Pedelec professionell gewartet werden.

Umgebung:
- Wer in der kalten Jahreszeit unterwegs war, hat es sicherlich bemerkt. Bei Temperaturen unter 5° C sinkt die Akkuleistung erheblich. Lagern Sie den Akku bei Raumtemperatur und setzen ihn erst kurz vor Fahrtantritt ein.
- Bergige Strecken und Gegenwind können mit dem eBike sehr gut bewältigt werden – leider zu Lasten der Reichweite. Unbefestigte Wege erhöhen den Energieverbrauch
- Das Gesamtgewicht (eBike + FahrerIn + Gepäck) hat ebenfalls Einfluss auf die Reichweite

Der Antriebshersteller BOSCH hat für seine Systeme einen hilfreichen Reichweitenrechner programmiert. Sie finden ihn unter https://www.bosch-ebike.com/de/service/reichweiten-assistent/

Und noch ein abschließender Tipp: wenn Sie sich nicht sicher sind, ob für ihre geplante Tour die Akku-Kapazität ausreicht – nehmen Sie einfach Ihr Ladegerät mit auf die Tour. Während einer einstündigen Pause bekommen Sie ca. 20 km zusätzliche Reichweite in den Akku.

Wir wünschen Ihnen schöne Radtouren! Ihr Team vom Willner Fahrrad- und eBike Zentrum

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