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Fastenzeit ist Starkbierzeit

22.02.2018 12:00 Uhr

Würzig, malzig, stark im Geschmack

Einst alleinige Fastenspeise haben sich rund ums Starkbier Feste und Rituale entwickelt
Brezen und erste Radieserl: Das ist die klassische Variante, wie das Starkbier genossen wird. Foto: kabVisio
Brezen und erste Radieserl: Das ist die klassische Variante, wie das Starkbier genossen wird. Foto: kabVisio
Ingolstadt (DK) „Bier ist das Brot der Bayern.“ Dieser Spruch wird gern zitiert und denjenigen entgegen gehalten, die während der österlichen Fastenzeit auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten verzichten. Tatsächlich liegt der Ursprung des Fastenstarkbiers in den Klöstern und deren strengen Regeln, dass sich die Ordensleute während dieser Zeit nur mit flüssiger Nahrung stärken durften. Zu den dann nur möglichen Suppen gesellte sich das eigens dafür gebraute Bier, das durch die veränderte Rezeptur auch sättigte. Mehrere Liter pro Tag wurden jedem Klosterbewohner deshalb bereits seit dem 11. Jahrhundert zugestanden. Auch die Reisenden, die in den Klöstern in dieser Zeit anklopften,wurden auf diese Weise gestärkt und verköstigt. Was diese auch gerne annahmen.

Schließlich enthalten alle Starkbiere mehr Stammwürze als herkömmliche Biere. Neben dem Malzzucker, der Kraft gibt, sind damit auch Vitamine, Mineralien und Eiweiße gemeint. Alles Bestandteile, die normalerweise durch feste Nahrung aufgenommen werden. Starkbiere tragen in ihrem Namen stets das Suffix „-ator“. Vor allem ist es der vollmundigere Geschmack, der bis heute auch nicht eingefleischte Biertrinkerinnen und Biertrinker oft schon sehnsüchtig auf die Starkbiersaison hoffen lässt. Heute trinkt wohl niemand mehr mehrere Liter – auch nicht in den Klöstern. Doch haben sich im Freistaat der Starkbieranstich und der Ausschank zu einer besonderen Festzeit entwickelt.

Wer fastet, der soll in sich gehen, über sich und die Welt nachdenken. Zur Welt gehört die weltliche Obrigkeit, deren Taten und Nachlässigkeiten von Starkbierrednern und Kabarettisten betrachtet werden. Alkohol löst bekanntlich die Zunge, sodass das Politiker-Derblecken während der von den weltlichen Brauereien veranstalteten Starkbierfesten mehr oder weniger kritisch-bissig, ironisch und humoristisch ausfällt. Das bekannteste Starkbierfest ist sicher das am Nockherberg. Seit 1870 wird hier öffentlich Starkbier ausgeschenkt. Mit dem Singspiel, der Fastenpredigt, musikalischer Begleitung durch eine Band und einem reichhaltigen Speisenangebot hat es heute weniger etwas mit stillem Fasten denn mit einem gemütlichen Bierfest gemein.

Und so wird es auch andernorts gepflegt: Mit Freunden trifft man sich in lokalen Gasthäusern auf ein Starkbier, sitzt gemütlich beieinander, unterhält sich und genießt das würzige, schmackhafte Bier je nach Laune bei Speisen, die nicht nur aus Breze und Radieserl bestehen müssen.

Kleine Bierkunde

Ingolstadt (DK) Die bayerischen Bock- und Doppelbockbiere gehören zu den Starkbieren, für die zwischen 16 (Bockbier) und 18 Prozent (Doppelbock) Stammwürze laut Bayerischen Brauerbund vorgeschrieben sind. Als Stammwürze werden die im Wasser gelösten Stoffe wie Malzzucker, Eiweiß, Vitamine und Aromastoffe bezeichnet, die durch die Hefe zu Alkohol und Kohlensäure vergoren werden. Als Faustregel gilt: Ein Drittel des Stammwürze-Gehaltes ergibt den Alkoholanteil im Bier, also etwa 6 Prozent. Beim Eisbock kann er bis über 7,5 Prozent betragen. Bei dieser speziellen Sorte wird das Bier vereist und das gefrorene Wasser entfernt. So wird der höhere Alkoholgehalt erreicht.

Die Biere zeichnen sich durch eine Malz- bis Karamellnote aus. Es gibt sie von dunkel bis hell – die Farbe hängt von der Malzsorte ab. Auch das obergärige Weizen gibt es als Weizenbock oder Doppelbock.

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