Anzeigen
 
 
Anzeige

Berufswahl 2017

6.9.2017 9:00 Uhr

Lehrlingsvergütungen steigen

Nachwuchsmangel hat auch Vorteile: Unternehmen müssen Azubis besser bezahlen
Der Nachwuchsmangel macht sich bezahlt: Die Ausbildungsvergütungen steigen kontinuierlich an, liegen nun im Westen bei durchschnittlich bei 832 Euro und im Osten bei 769 Euro. Foto: dpa
Der Nachwuchsmangel macht sich bezahlt: Die Ausbildungsvergütungen steigen kontinuierlich an, liegen nun im Westen bei durchschnittlich bei 832 Euro und im Osten bei 769 Euro. Foto: dpa
Auszubildende haben 2016 in Ost- und Westdeutschland erneut mehr Geld bekommen. Die Tarifvergütungen stiegen bundesweit um 3,4 Prozent auf durchschnittlich 854 Euro im Monat. Dabei wird der Durchschnitt aus dem Lehrlingsentgelt aller Ausbildungsjahre ermittelt. Das teilt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit. Grund für den Anstieg seien die gute Wirtschaftslage und die Probleme vieler Betriebe, ihre Lehrstellen zu besetzen.

Die Entwicklung fiel allerdings in West- und Ostdeutschland unterschiedlich aus: Im Westen wurden die tariflichen Vergütungen 2016 um 3,2 Prozent angehoben und betrugen durchschnittlich 859 Euro. Im Osten gab es mit 4,9 Prozent einen deutlich stärkeren prozentualen Anstieg. Hier war 2016 eine monatliche Durchschnittsvergütung von 807 Euro zu verzeichnen. Damit wurden im Osten 94 Prozent der westlichen Vergütung erreicht.

Die Vergütungshöhe variiert zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen beträchtlich. Besonders hoch war das Vergütungsniveau im Bauhauptgewerbe mit einem Gesamtdurchschnitt von 1042 Euro im Monat. Sehr hohe Vergütungen wurden beispielsweise auch in den Berufen Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen, Mechatroniker/-in sowie Industriemechaniker/-in erreicht. Niedrige Beträge wiesen dagegen die Berufe Schornsteinfeger/-in, Florist/Floristin und Bäcker/-in auf.

Betrachtet werden soll nun die Entwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütungen in Ausbildungsberufen, die bereits in den zurückliegenden Jahren massiv von Nachfragedefiziten betroffen waren. Es handelt sich um Berufe in der Gastronomie, im Lebensmittelhandwerk und in der Reinigungsbranche. In den Berufen Restaurantfachmann/-frau und Koch/Köchin nahmen die Vergütungen 2016 gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich zu, und zwar in Westdeutschland um 4,1 Prozent (von 735 auf 765 Euro) und in Ostdeutschland um 5,6 Prozent (von 612 auf 646 Euro). Die Vergütungssteigerung im Beruf Fachmann/-frau für Systemgastronomie lag im Westen mit 4,0 Prozent (von 742 auf 772 Euro) ebenfalls über dem Durchschnitt, im Osten gab es sogar ein beträchtliches Plus von 9,0 Prozent (von 708 auf 772 Euro).

Im Beruf Bäcker/-in erhöhten sich die Ausbildungsvergütungen dagegen vergleichsweise wenig, und zwar in West- und Ostdeutschland um 3,0 Prozent (von 600 auf 618 Euro). Auch im Beruf Fachverkäufer/- in im Lebensmittelhandwerk stiegen die Beträge im Westen mit 2,9 Prozent (von 624 auf 642 Euro) und im Osten mit 2,8 Prozent (von 569 auf 585 Euro) nur unterdurchschnittlich an. Im Beruf Gebäudereiniger/-in bewegte sich der Vergütungsanstieg sowohl in Westdeutschland mit 3,0 Prozent (von 765 auf 788 Euro) als auch in Ostdeutschland mit 3,5 Prozent (von 688 auf 712 Euro) ebenfalls unter dem Durchschnitt. Deutlich wird an diesen Beispielen, dass 2016 keineswegs in allen Berufen mit einem großen Nachfragedefizit die tariflichen Ausbildungsvergütungen besonders stark angehoben wurden.

Unterschiede in der Vergütungshöhe sind auch zwischen männlichen und weiblichen Auszubildenden festzustellen. Im gesamten Bundesgebiet betrugen 2016 die durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen für junge Männer 864 Euro pro Monat, für junge Frauen lagen sie mit 836 Euro um 3,2 Prozent niedriger. In Ostdeutschland fiel der Abstand etwas geringer aus als im deutschen Gesamtdurchschnitt. Männliche Auszubildende erreichten im Osten durchschnittlich 814 Euro, weibliche Auszubildende 793 Euro und damit 2,6 Prozent weniger. Die abweichenden Vergütungsdurchschnitte resultierten dabei ausschließlich daraus, dass junge Männer schwerpunktmäßig in anderen Berufen ausgebildet wurden als junge Frauen.

Insgesamt verteilten sich die berufsspezifischen Ausbildungsvergütungen im Jahr 2016 in Deutschland wie folgt: 20 Prozent der Auszubildenden kamen auf hohe monatliche Beträge von 1000 Euro und mehr. Für 62 Prozent bewegten sich die Vergütungen zwischen 700 und unter 1000 Euro. Relativ gering dagegen waren die Beträge für 18 Prozent der Auszubildenden mit weniger als 700 Euro. DK

Wie viel gibt es?

- Altenpfleger/-in 1115 Euro
- Mauer/-in 1042 Euro
- Kaufmann/-frau für Versicherung und Finanzen 1028 Euro
- Mechatroniker/-in 1023 Euro
- Industriemechaniker/- in 1017 Euro
- Industriekaufmann/- frau 984 Euro
- Verwaltungsfachangestellte 928 Euro
- Kaufmann/-frau im Einzelhandel 840 Euro
- Gärtner/-in 798 Euro
- Dachdecker/-in 783 Euro
- Gebäudereiniger/-in 775 Euro
- Fachmann/-frau Systemgastronomie
772 Euro
- Medizinische/-r Fachangestellte/-r 773 Euro
- Koch/Köchin 744 Euro
- Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 736 Euro
- Kaufmann/-frau für Büromanagement 736 Euro
- Metallbauer/-in 708 Euro
- Maler/-in und Lackierer/-in 670 Euro
- Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk 642 Euro
- Bäcker/-in 634 Euro
- Florist/-in 587 Euro
- Schornsteinfeger/-in 495 Euro

Quelle: BiBB

Probearbeiten bringt Punkte

327 Ausbildungsplätze in der Region Ingolstadt sind noch frei, aber 381 Schulabgänger haben noch keine Lehrstelle gefunden. Ein Widerspruch, der eigentlich nicht sein müsste, der aber deutlich macht, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig zu orientieren, Berufsbilder und -alltag kennenzulernen und genau zu wissen, welche schulischen Leistungen erforderlich sind. Gerade Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder schlechten Noten tun sich schwer damit, einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie sollten versuchen, mit Probearbeiten zu punkten. Damit schaffen sie es, ihre Motivation und Lernwilligkeit zu beweisen. Außerdem können sie so besser abschätzen, ob sie gut zum Betrieb passen. DK

Bayernoil Raffineriegesellschaft mbH

Unterstützung in der Theorie

Wenn es im theoretischen Teil der Berufsausbildung schwierig wird, helfen Arbeitsagentur und Jobcenter mit ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH). Diese Unterstützung kann ab dem ersten Ausbildungstag zum Einsatz kommen und so dazu beitragen, dass die Ausbildung von Beginn an erfolgreich ist. Jeder Auszubildende hat Stärken und Schwächen in der Theorie und Praxis einer Berufsausbildung – das ist ganz normal. Umso wichtiger ist es daher, an den Schwächen gezielt zu arbeiten. Hapert es in der Theorie, empfiehlt sich die bewährte Unterstützung mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen. Gefördert werden Wissensvermittlung in Allgemeinbildung oder in Fachtheorie, Sprachunterricht sowie sozialpädagogische Begleitung. Die Unterstützungsangebote gestalten qualifizierte Bildungsträger. Sie finden als Einzelunterricht oder in Kleingruppen statt, nehmen bis zu acht Stunden pro Woche in Anspruch und liegen außerhalb der Arbeitszeit. Die Kosten tragen Agentur für Arbeit oder Jobcenter. Die Beantragung erfolgt über den jeweiligen Berufsberater. DK

Hohe Bezüge in Altenpflege

Die Bezahlung von Auszubildenden in der Altenpflege liegt in der Spitzengruppe aller Azubi-Vergütungen Deutschlands. Legt man die durchschnittliche tarifliche Vergütung des Tarifvertrages im öffentlichen Dienst (TVöD) in der Pflege in Höhe von 1115 Euro zugrunde, dann liegt die Altenpflege auf Rang eins aller Azubi-Gehälter. Nach einem Entscheid des Bundesarbeitsgerichts müssen alle Pflegeeinrichtungen mindestens 80 Prozent des TVöD zahlen. Das entspricht einer Mindestvergütung von 892 Euro. DK
RGS Technischer Service GmbH
Seite : 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
Fehler melden